Nano Learning … Micro Learning: Gibt es einen Unterschied?

January 10, 2020 Geoffroy De Lestrange

Die Aspekte des Themas Learning sind vielfältig – wie auch die Auslegungsarten. Häufig kommt es zu Verwirrung, Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen rund um dieses Thema. Durch die immer kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen der jüngeren Generationen hat sich seit geraumer Zeit auch das Thema Learning komplett verändert. Neuerdings tauchen dabei Begriffe wie Microlearning und Nanolearning auf – dahinter steckt die Erfahrung, dass viele der jüngeren Generationen nur noch eine Aufmerksamkeitsspanne von 90 Sekunden haben. Noch wissen nur wenige, worum es sich bei dieser neuen Lernform handelt oder was der Unterschied zwischen beiden Begriffen ist. Sind es nur zwei hippe Buzzwords für ein und dasselbe oder gibt es wirklich Unterschiede, die eine entsprechende Terminierung rechtfertigen? Ein Überblick.

Ende Januar öffnet in Karlsruhe wieder die Learntec ihre Pforten und gibt Besuchern Einblick in die Welt der Weiterbildung. Natürlich ist seit Jahren das Thema Digitalisierung ein Dauerbrenner und zeigt sich auf der Messe vor allem über das E-Learning. Im selben Atemzug wird dabei das Microlearning genannt, welches vor allem mobil abrufbar auf Handys zum Einsatz kommt – und es trägt der Entwicklung Rechnung, dass die Aufmerksamkeitsspannen im Internet äußerst kurz sind. 2019 tauchte erstmals der Begriff Nanolearning auf, der erst vor ein paar Jahren in Amerika erfunden wurde. Dies sorgt zu Recht für ein wenig Irritation.

Microlearning ist eine Form des E-Learnings, die den Teilnehmern und Nutzern Trainingsmodule in kleinen Häppchen und kurzen Schritten serviert, weil dies im Internetzeitalter die Informationsaufnahme und folglich den Lernfortschritt erhöht. Die Länge der Webinare oder Lernmodule liegt dabei zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Auf den Punkt gebracht definiert sich Nanolearning dagegen über noch kürzere Lernintervalle, die sich in der Regel von drei bis fünf Minuten erstrecken. Ein Beispiel dieser Art des kurzen Lernens wäre die Fremdsprachen-App Babble, wo man ebenfalls in kurzen Intervallen die Grammatik und Aussprache erlernen soll.

Beide Elemente sind also Konzepte des digitalen Lernens und konzentrieren sich auf die Bereitstellung der Talent Experience. Das bedeutet, sie sind über kurze Zeitspannen verteilt und sollen die sogenannte Just-In-Time-Lernziele erfüllen. Freilich liegt hier der Vorwurf nahe, dass Nano- und Microlearning nur leere Worthülsen sind, die sich ein paar selbstverliebte Speaker auf einem Event ausgedacht haben, um damit zu punkten. Doch ganz so einfach ist es nicht. Da beide Konzepte mit raschen und kurzfristigen Informationen punkten, werden auch wir hier die wichtigsten Punkte kurz und knackig auflisten. Was sind also die Gemeinsamkeiten – und was genau sind die Unterschiede?

Das sind die Merkmale:

- Sowohl Micro- als auch Nanolearning basieren auf dem gemeinsamen Pareto-Prinzip (20 Prozent Aufwand, der zu 80 Prozent der Ergebnisse führen soll).

- Sowohl Microlearning als auch Nanolearning benötigen nur wenige Informationen auf einmal und bereiten sie in unvergesslichen Nuggets auf.

- Sowohl Microlearning als auch Nanolearning sind auf ein einziges Lernziel ausgerichtet. Das Nanolearning ist jedoch aufgrund seiner noch kürzeren Laufzeit stärker auf ein sehr spezifisches Lernziel programmiert.

- Die Lernenden haben die volle Kontrolle sowohl im Micro- als auch im Nanolearning und können entscheiden, was, wann und wie viel sie lernen.

- Sowohl Microlearning als auch Nanolearning unterstützen die Funktion mobiles Lernen.

- Sowohl Microlearning als auch Nanolearning verfügen über umfangreiche Multimedia-Funktionen wie Text, Video, Bilder, Grafiken und Sound.

- Sowohl Microlearning als auch Nanolearning helfen den Lernenden, die Module effizient zu absolvieren, was die Bindungsraten erhöht und den Kursverlauf verbessert.

Es ist also nicht verwerflich, beide Begriffe synonym zu verwenden, auch wenn sich zeigt, dass Nanolearning ein Teil des Microlearnings ist und somit ein eigenständiges Konzept. Man kann es als die nächste Stufe zum Micro-Learning auffassen, wo die Nutzer ihr bereits vorhandenes Wissen noch weiter festigen können. Das Ganze ist ungefähr vergleichbar mit dem Tauchen oder Reiten, wo es viele verschiedene Variationen gibt, die ebenfalls eigenständige Namen haben. Haifischtauchen oder Nachttauchen … ist doch beides Tauchen, oder? Ja, stimmt. Dennoch unterscheiden sich beide Formen des Tauchens und werden deshalb auch unterschiedlich benannt. Nanolearning verfeinert somit das Microlearning. Wenn die Belegschaft beispielsweise ein Micro-Modul zum Code of Conduct zum Absolvieren hat, dann wäre die Nanoausgabe die Abfrage zu den einzelnen Details und Bestandteilen des Kodex. Alle Module zusammen ergeben den Content des Microlearnings.

Über den Autor

Geoffroy De Lestrange

Product Marketing & Communication Director EMEA at Cornerstone OnDemand

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