Ländervergleich: Wo die besten Talente zuhause sind

March 26, 2018 Sascha Grosskopf

Firmen mit nachweislich großem Anteil hoch performativer Mitarbeiter sind insgesamt 30 Prozent profitabler und machen im Schnitt 18 Prozent mehr Umsatz. Die Ansprache und Akquise von Kandidaten ist somit überaus wichtig. Aber bei der Ansprache und Anstellung von High-Performern gibt es zwischen den Ländern Unterschiede. Ein Überblick.

Auf der Suche nach besonders talentierten Mitarbeitern, hat man es dieser Tage demnach besonders leicht in Zürich. Die Schweizer Metropole hat es im Global Talent Competitiveness Index, den die Adecco-Group in Kooperation mit der Insead Business School und Tata Communications kürzlich herausgegeben hat, auf den ersten Platz geschafft. Deutsche Städte sucht man unter den Top 10 leider vergeblich. Auf den unteren Plätzen rangieren Berlin (29. Platz), Kiel (37. Platz) und Hannover (40. Platz), weit abgeschlagen hinter skandinavischen Städten wie Stockholm (2. Platz) und Oslo (3. Platz). Im direkten Ländervergleich steht Deutschland mit Platz 19 etwas besser da, doch den 1. Platz belegt auch hier die Schweiz gefolgt von Singapur und den USA. Für die Einstufung wurden Richtlinien und Praktiken bewertet, die dafür verantwortlich sind, wie ein Land oder eine Stadt das Potenzial menschlicher Arbeitskraft in Hinsicht auf Produktivität und die Vermehrung von Wohlstand ausschöpft. Dafür ist beispielsweise von Bedeutung, inwiefern Länder oder Städte Talente anziehen, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten bieten, sie binden und ihnen die berufliche Entwicklung administrativ ermöglichen.

Diversity als Schlüssel zum Erfolg

Was Länder und Städte in Bezug auf die Bündelung von High-Performern erfolgreich macht, ist laut der Studie ‚Diversity‘ in all ihren Facetten. Im Detail sind damit Unterschiede in Bezug auf individuelles Wissen, Erfahrungen, Strategien zur Problemlösung, Religion, Nationalität, Geschlecht, Ethnie, Alter und Werten gemeint. Singapur dient als Paradebeispiel für die Ausschöpfung des sich darin verbergenden Potenzials. Diversity war für das multikulturell bevölkerte Land seit jeher ein sozialpolitisches Thema. Durch Quoten sowohl an Arbeitsplätzen, als auch in Wohnanlagen wurde ein Inklusionsklima geschaffen, das sich positiv auf die Leistungsbilanz und das Innovationspotenzial der ansässigen Arbeitgeber auswirkte. Denn Diversity sei maßgeblich für die Akquise und Hervorbringung außergewöhnlich produktiver Mitarbeiter, mit Ideen, die Firmen voranbringen, postulieren die Experten. Liegen Länder im Ranking vorne, sind die Gründe dafür hinreichende Inklusionsmaßnahmen und ein Bildungssystem, welches auf der einen Seite Wissen und Kompetenzen und auf der anderen Seite Offenheit für Verschiedenheit vermittelt. Die Länder auf den Spitzenplätzen haben dies gemein. Außerdem teilen sie ein Arbeitsrecht, welches Flexibilität und Arbeitsschutz vereint, sie verfügen über genügend nach außen und innen geöffnete Arbeitsmärkte und eine nicht zu starr reglementierte Geschäftslandschaft.

Gewinner Schweiz

Die Schweiz konnte sich ihre Platzierung durch gutes Abschneiden in den Kategorien Attraktivität für (5. Platz) und Bindung von Talenten (1. Platz), Ermöglichung beruflicher Entwicklung (2. Platz), hohen beruflichen und technischen Skills (3. Platz) erarbeiten – in dieser Kategorie konnte Deutschland ebenfalls punkten (4. Platz) – und soziale Mobilität sichern (2. Platz). Allerdings gibt es bei der Offenheit des Arbeitsmarktes (13. Platz) und bei der Gleichstellung (86. Platz) mitunter erheblichen Aufholbedarf. Zusammengenommen dominieren entwickelte Länder mit hohen Löhnen das Ranking. Die Top-Platzierungen teilen vor allem die europäischen Länder unter sich auf.

Auf dieser Grundlage lassen die Ergebnisse einer weiteren Studie aufhorchen. Dort wird suggeriert, dass Absolventen immer höhere Erwartungen an ihre zukünftigen Arbeitgeber und mehr Möglichkeiten bei der Wahl hätten. Um also den Wettbewerb um herausragende Talente für sich zu entscheiden, dürfen sich Organisationen den neuen Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht verschließen und müssen bei der Auswahl ihrer Bewerber den richtigen Mix zusammenstellen. Gelingt dies, kann das gute Folgen für die Entwicklung des Unternehmens und seine Mitarbeiter haben.

Vorheriger Artikel
Gleichstellung: Wo Frauen schon führen und wie das Unternehmen weiterhilft
Gleichstellung: Wo Frauen schon führen und wie das Unternehmen weiterhilft

Frauen verdienen laut zahlreicher Studien noch immer schlechter als Männer und sind nur vereinzelt in Führu...

Nächster Artikel
Der Bewerber muss umworben werden!
Der Bewerber muss umworben werden!

Unternehmen tun bekanntlich nahezu alles, um ihren Kunden zu gefallen. Für Bewerber hingegen, die bald selb...