Human Capital Management: Weshalb Firmen sich nicht mehr aus der gesellschaftlichen Verantwortung ziehen können!

August 24, 2018 Sascha Grosskopf

Eine aktuelle Studie gibt Aufschluss über Human Capital Trends. Human Capital, das ist die Gesamtheit aus Wissen, Gewohnheiten, Kreativität sowie sozialen und persönlichen Attributen, durch die Menschen die Fähigkeit erhalten, gute Arbeit zu leisten und ökonomischen  Mehrwert zu erzeugen. Die Ergebnisse deuten auf den Beginn eines massiven Wandlungsprozesses hin, auf den Unternehmen schnellstmöglich reagieren sollten.

Gravierende Veränderungen zeichnen sich ab. Die global von Deloitte durchgeführte Studie “The rise of the social enterprise”, deutet darauf hin, dass Unternehmen nicht länger nur nach erwirtschaftetem Profit und der Qualität ihrer Produkte und Services beurteilt werden. Nun soll auch der Umgang mit ihren Mitarbeitern, der Gesellschaft, ihren Kunden und der Umwelt in die Bewertung einfließen. Befragt wurden über 11.000 Arbeitnehmer aller Branchen, der größte Teil (62 %) dieser, beschäftigt sich mit HR. Rund die Hälfte arbeitet in Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern. Die andere Hälfte verteilt sich zu fast gleichen Teilen auf Unternehmen mit Mitarbeitern von 1.000 bis 10.000 und über 10.000 Angestellten. Befragt wurden sämtliche Hierarchieebenen, von C-Level bis zum einfachen Angestellten auf repräsentativem Niveau.

Die Studie lässt vor allem einen gesellschaftlichen Wandel erkennen: Physisches Kapital verliert gegenüber sozialem Kapital an Bedeutung. Demnach erwarten 77 Prozent der Befragten, dass Unternehmen sich ihrer sozialen Verantwortung stellen. Über 50 Prozent sehen ihr Unternehmen in diesem Zusammenhang auch schon richtig aufgestellt. Damit Unternehmen, die für gute Geschäfte nötige Reputation aufbauen und wahren können, ist es im heutigen digitalisierten Umfeld entscheidend, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu erzeugen - sei es beim Kunden oder Mitarbeiter. Diese Herausforderung kann, so die Studie, heute schon vermehrt und zukünftig ausschließlich ein soziales Unternehmen meistern. Als sozial gilt eine Organisation, die sich wie ein guter Bürger verhält, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Organisation, gesellschaftlich Verantwortung übernimmt und die Zusammenarbeit auf all ihren Ebenen fördert.

Die Ursache für den Aufstieg der sozialen Organisation sehen die Autoren im kollabierenden politischen und sozialen System: Denn das Vertrauen in Politik und soziale Institutionen ist auf einem Tiefpunkt. Auch die Finanzkrise 2008 hat dazu beigetragen und vielen Menschen gezeigt, dass das ausschließliche Streben nach Profit nicht zielführend sein kann – gerade wenn es darum geht, das Leben des einzelnen zu verbessern, soziales Gleichgewicht herzustellen und politische Stabilität zu erzeugen. In der Folge ist eine Lücke entstanden, die Unternehmen füllen könnten. Sie sollen schaffen, was andere Institutionen und Gewalten bisher nicht geschafft haben. Diese Entwicklung wird auch von der steigenden Bedeutung des Individuums getragen, die insbesondere bei den Millennials Konjunktur hat. Diese Generation stellt schon heute die Mehrheit der Arbeitnehmer, Tendenz steigend. Zusätzlich prägt der technologische Fortschritt die Gesellschaft. Die Meinungen zu neuen Technologien, wie die der Künstlichen Intelligenz (KI), schwanken zwischen neugieriger Zuversicht und Sorge. Eines ist jedoch ganz sicher. Die beruflichen Rollen des Menschen werden sich in Zukunft verändern. Viele sehen die Verantwortung für die weitere Entwicklung zugunsten der Menschen bei den Unternehmen. Diese Erwartungshaltung wird auch davon getragen, dass die Trennung zwischen Privatem und Arbeitsleben zunehmend verschwimmt. Dies bildet den gesellschaftlichen Rahmen für zehn in der Studie ermittelte Haupttrends:

  1. Teamarbeit rückt als Führungsmethode in den Fokus

Sowohl Führungskräfte als auch Teams arbeiten zunehmend kollaborativ zusammen. Nur so können Organisationen die nötige Geschwindigkeit aufbringen, mit denen man in Zeiten des immer schnelleren, technischen Fortschritts und kürzeren Innovationszyklen bestehen kann. Da gleichzeitig die Bedeutung des einzelnen in diesem Geflecht aus Teams ansteigt, wenden sich Unternehmen zudem vermehrt dem Aufbau und Erhalt von Beziehungen zu ihren Mitarbeitern zu. Denn nur wer sich wertgeschätzt und gehört fühlt, bleibt ein produktives Mitglied einer Organisation und ist gewillt sich weiterzuentwickeln.

  1. Externe Talent-Akquisition gewinnt an Bedeutung

Mitarbeiter von außerhalb gewährleisten durch ihre andersartigen Skills die nötige Agilität zur Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung.

  1. Mitarbeiter erwarten vermehrt gerechte/ gute Behandlung, Bezahlung und Boni

Der Anspruch dabei: Zuwendungen sollen ganzheitlich und zugleich individuell angepasst sein.

  1. Karrieren werden zu Erfahrungen

Mitarbeiter werden vermehrt darin bestärkt, nach eigenen Präferenzen dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln.

  1. Ältere Arbeitnehmer werden wichtiger

Durch die steigende Lebenserwartung konzentrieren sich Unternehmen auch auf die Fortführung von Karrieren von Mitarbeitern höheren Alters.

  1. Unternehmen müssen soziale Belange ansprechen

Die Erwartungshaltung an Unternehmen bewegt sich weg von reinem Profitinteresse, hin zu verantwortungsvollem Handeln. Damit können Unternehmen wertvolles, soziales Kapital schaffen und zu Institutionen werden, die in sozialen/ gesellschaftlichen Fragen mitbestimmen. Sie erhalten eine Vorbildfunktion und repräsentieren als Institution den guten Bürger.

  1. Die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben verschwimmen zunehmend

Damit geht die Erwartungshaltung der Mitarbeiter einher, dass Arbeitgeber mehr als finanzielle Zwecke erfüllen sollten. Sie sorgen vielmehr für das ganzheitliche Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter auf mentaler, physischer, spiritueller oder finanzieller Ebene. Zurzeit besteht ein Graben zwischen Angebot und Erwartungshaltung, den es in den nächsten Jahren seitens der Unternehmen zu schließen gilt.

  1. Der technische Fortschritt fordert die Menschen heraus

Dies kann nur durch eine zirkuläre Aufstellung erfolgen, in der sich Mitarbeiter fortlaufend weiterbilden und Job-Rollen überdacht und angepasst werden. KI wird bei der Umsetzung von Nachhaltigem Wachstum eine Schlüsselrolle spielen.

  1. Der Arbeitsplatz von morgen ist Vernetzung der Superlative

Alles ist sichtbar und jeder miteinander vernetzt. Wissen wird auf Plattformen geteilt. Ob das jedoch mit einem Sprung der Produktivität einhergeht, bleibt abzuwarten.

  1. Herausforderung Datensicherheit

Mit der Vernetzung kommen die Daten. Die Speicherung dieser bei den Firmen, stellt ein entsprechendes Risiko dar. Ausschließlich Unternehmen, die ihre Daten sicher verwalten, ist das Vertrauen der Mitarbeiter und Kunden sicher.

Insgesamt ist der Deloitte Global Human Capital Trends Report 2018 als Aufforderung für Unternehmen zu verstehen soziales Kapital zu schaffen. Das kann durch den Umgang mit vielfältigen Stakeholdern, der Berücksichtigung aktueller Trends, einem Gefühl für die Mission und den Zweck der gesamten Organisation und gesellschaftlicher Erwartungen bei der Entwicklung von Strategien gelingen. Auf dem Weg hin zum sozialen Unternehmen steht nichts Geringeres als der Ruf einer Organisation, all ihre Geschäftsbeziehungen und schließlich ihr Erfolg oder Misserfolg auf dem Spiel. Denn in der heutigen Zeit und in Zukunft wird das humane Kapital untrennbar mit sozialem Kapital verwoben sein.

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