Entlohnung in Digitalcash - Geht das?

September 17, 2018 Michael Grotherr

Seit einigen Jahren treibt der Hype rund um Kryptowährungen die Finanzbranche um. Manche Unternehmen sind inzwischen auf den Trend aufgesprungen und bieten ihren Mitarbeitern Lohnzahlungen in Bitcoin an. Doch ist das so einfach möglich?

Seit dem Aufkommen der ersten und bis heute populärsten Kryptowährung Bitcoin im Jahre 2010, steigt und fällt ihr Kurs wie Schwalben im Wind. Anfänglich im einstelligen Dezimalbereich, erreichte die digitale Währung Ende 2017 mit 10.000 US Dollar pro Bitcoin ihren bis heute ungeschlagenen Peak. Wer auch immer den Pizzaboten im Mai 2010 bestellte und sich entschloss die weltweit erste Zahlung in Bitcoin abzuwickeln, dürfte sich einigermaßen geärgert haben. Denn nach damaligem Kurs kosteten die beiden Pizzen genau 10.000 Bitcoins. Doch wer kann andererseits schon behaupten 100 Millionen Euro für zwei warme Weizenfladen mit Tomatensauce und überbackenem Käse ausgegeben zu haben? Die risikobehaftete und gleichzeitig aufregende, neue Technologie ruft seit ihrem Start nicht nur Privatleute auf den Plan. Auch Unternehmen zeigen sich interessiert und gehen dazu über Teillohnzahlungen in Bitcoin anzubieten. Plattformen wie Bitwage machen es möglich. Konzerne wie Netflix und Airbnb nutzen bereits das Angebot. Denn durch die hohe Transparenz und Transaktionsgeschwindigkeit sind Kryptowährungen äußerst attraktiv und insbesondere für Freiberufler, deren Anteil unter Berufstätigen konstant ansteigt, und für Peer to Peer Zahlungen interessant.

Kryptocash zukünftig auf jedem Lohnzettel?

Auch das deutsche Magazin t3n bietet Mitarbeitern seit knapp zwei Jahren an, einen Teil der Gehälter als Digitalwährung auszuzahlen. Das anfänglich belächelte Experiment hat vielen Mitarbeitern hohe Gewinne beschert. Es hat aber auch dafür gesorgt, dass manch einer nach heutigem Kurs tausende Euro für ein Schnitzel mit Pommes ausgegeben hat. So verteilt sich, wie bei allen Spekulationsgeschäften, Glück und Pech einigermaßen gleichmäßig auf diejenigen, die mitmischen. Dass dieses Bezahl-Modell in der breiten Masse der Unternehmen bald Anwendung findet, halten Experten für unwahrscheinlich. Dafür seien die Kurschwankungen zu groß und die steuerrechtliche Handhabung zu ungeregelt. Zudem sei der Markt im Verhältnis zu anderen Währungen sehr klein und dadurch leichter manipulierbar. Dies könnte sich jedoch durch eine erhöhte Akzeptanz der breiten Masse ändern. Derzeit wirken sich die starken Kursschwankungen noch beschwerend auf die Entwicklung von Kryptowährungen aus. Unternehmen wie Microsoft gehen deshalb immer mal wieder dazu über die Zahlung für Produkte und Services mit Bitcoins zu untersagen. Und weil sich Kryptowährungen auf dem Schwarzmarkt und im Untergrund höchster Beliebtheit erfreuen, gehen auch erste Länder mittels Handels- und Tauschverboten gegen diese vor.

Rechtlich bewegen sich Kryptowährungen größtenteils in einer Grauzone

Dass in Zukunft jeder in Deutschland mit Bitcoins, Ether oder der Kryptowährung seiner Wahl bezahlen wird ist auch rechtlich fraglich, da die Gewerbeordnung eine Bezahlung in Euro vorschreibt. Schließlich muss der Lebensunterhalt mit dem Gehalt bestritten werden können. Dieses Gebot wäre gefährdet, würden Arbeitgeber ihre Mitarbeiter in einer so schwankenden Kryptowährung bezahlen. Diese Vorgabe kann jedoch umschifft werden, indem der Teil des Gehalts, der in Kryptowährung ausgegeben werden soll, als Sachbezug ausbezahlt wird. Wichtig ist hierbei, dass die Regelung im objektiven Interesse des Arbeitnehmers liegt. Das heißt, die Teillohnzahlung in Bitcoin darf nicht zu groß sein, damit der Lebensunterhalt des Mitarbeiters nicht gefährdet wird. Eine vollständige Bezahlung in Bitcoin ist nach deutschem Recht bisher unzulässig und die Wahrscheinlichkeit schwindend gering, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte. Doch das steht Teillohnzahlungen in Kryptowährungen nicht grundsätzlich im Weg. Unternehmen könnten in Zukunft also tendenziell häufiger in Bitcoin, Ether und Co. zahlen und Gerichte damit beschäftigen, da es bisher noch wenige Regelungen gibt.

Über den Autor

Michael Grotherr

Michael Grotherr is Vice President for Sales in Central Europe at Cornerstone OnDemand since 2017. He works from Munich and has extensive and detailed industry knowledge regarding strategic leadership, corporate development and human capital management, which he has acquired during his extensive career in the HR space.

Auf LinkedIn folgen Mehr Inhalt von Michael Grotherr
Vorheriger Artikel
Warum Bewerber Arbeitgeber ghosten und was dagegen hilft
Warum Bewerber Arbeitgeber ghosten und was dagegen hilft

Ghosting – das aus Dating-Plattformen bekannte Phänomen des Online-Ignorierens – dringt allmählich in die A...

Nächster Artikel
Gute Firma - Schlechte Firma: Wie Bewertungsportale das Recruiting beeinflussen
Gute Firma - Schlechte Firma: Wie Bewertungsportale das Recruiting beeinflussen

Die Mehrheit der heutigen Jobbewerbungen erfolgen online. Zu den zuerst angezeigten Suchergebnissen bei unt...